Turnverein Amöneburg 1887 e.V.
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Andrea Hirth vom Organisationsteam der Sportabzeichen-Aktion hat zu einer interessanten Führung durch das Biebricher Schloss eingeladen, an der mehr als 40 Personen des Turnvereins und der Betriebssportgemeinschaft Kalle-Albert sowie der Kolpingfamilie teilgenommen haben.
Mit unserem Prüfer Bernhard Gläser hatte Andrea einen Kenner der Biebricher Geschichte gefunden, der natürlich auch die abwechslungsreiche Entstehung des Schlosses detailreich zu berichten wusste.
Im zarten Alter von 34 Jahren erwarb 1696 Georg August Samuel von Nassau-Idstein gegenüber der Biebricher Aue (Rettbergsaue) direkt am Rhein ein Grundstück, um darauf ein kleines, einfaches Gartenhaus zu errichten. Zunächst noch ohne Heizung ließ er dieses Gartenhaus fünf Jahre später zu einem Wohnschlösschen ausbauen. Das Grundstück war groß genug und so wurde auf Wunsch der Fürstin in fast hundert Metern Entfernung das gleiche Gebäude noch einmal erbaut.
Georg August, der in seiner Jugend Gießen, Straßburg und Wien besuchte und durch seine Teilnahme an der Befreiung Wiens zu Titel und Reichtum gekommen war, verspürte nun, im Jahre 1707, den Wunsch nach einer Neugestaltung des Wohnsitzes. Der Baumeister Maximilian von Welsch entwickelte in seinem Auftrag ein barockes Gesamtkonzept nach dem Vorbild der Kasseler Orangerie in der Karlsaue; die beiden Gartenhäuser (Pavillons) sollten durch Galerien und einen Mittelbau miteinander verbunden werden. Die Arbeiten dauerten bis zum Jahre 1721, dem Jahr, in dem Fürst Georg August verstarb; in dieser Zeit entstand die Rotunde in der Mitte der beiden Pavillons, die an das Pantheon in Rom erinnern sollte. Acht hohe Marmorsäulen mit vergoldeten Kapitellen stützen das mit Fresken aus der antiken Götterwelt bemalte Gewölbe, welches oben eine Öffnung hatte. Nach Osten und Westen wurden die Pavillons mit zunächst einstöckigen Galerien mit der Rotunde zu einem Gesamtwerk verbunden und boten nun ausreichend Platz für zahlreiche Empfänge und sonstiges Leben am Fürstensitz. Gegen Ende der Bauzeit wurden die beiden Galerien um ein Stockwerk erhöht und erhielten so die heutige Form.
Das Fürstentum ging mit dem Tod von Fürst Georg August 1721 an Fürst Karl von Nassau-Usingen über; dieser beabsichtigte, seinen Amtssitz aus dem Taunus an den Rhein zu verlegen und ließ deshalb das Biebricher Schloss um einen Ost- und später um einen Westflügel erweitern. Dieser Ausbau zum Residenzschloss zog sich hin bis zum Jahr 1744.
Bis zur Fertigstellung des Stadtschlosses Wiesbaden, dem heutigen Sitz des Hessischen Landtages, war das Schloss Biebrich Hauptresidenz der nassauischen Fürsten und Herzöge.
Heute kann in diesem Schloss geheiratet werden; es finden diverse Veranstaltungen statt wie Verkostungen von Sekten und Weinen; der hessische Ministerpräsident lädt landesweit Karnevals-Prinzessinnen und –Prinzen ein oder es finden Verabschiedungen von hohen Militärs vor dem Schloss im Park statt.
In der Weihnachtszeit wird neben der großen Freitreppe an der Rheinseite, die extra für den Besuch von Napoleon errichtet wurde, ein feiner Adventsmarkt aufgebaut. Im Park selbst findet jährlich das Internationale Pfingstturnier statt.
Dass allen die Führung durch Bernhard toll gefallen hat, zeigte der große Applaus bei den Dankesworten von Andrea. Ein kurzer Spaziergang zum Tally’s an der Uferstrasse mit leckerem Essen mit Blick auf den träge dahinfließenden Rhein rundete die gelungene Veranstaltung ab.

Mo, 22. Juni 2026

Mi, 22. Oktober 2025